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So war's: Das Seminar Arbeitssicherheit

22. June 2026 | von Patrick
Weiter Machen!

 

Mitte Juni trafen sich 15 Teilnehmer*innen aus sechs Offenen Werkstätten aus ganz Deutschland zu einem Wochenendseminar rund um das Thema Arbeitssicherheit. Vertreten waren Werkstätten aus Dortmund, Bielefeld, Oberhausen, Wuppertal, Gröbenzell und Aschheim. Gastgeber war der Supermarkt der Ideen, der nicht nur Veranstaltungsort war, sondern auch als Werkstatt für den praktischen Teil zur Verfügung stand.

Das Thema Arbeitssicherheit ist für Offene Werkstätten oft ein unsicheres Terrain. Viele Fragen sind ungeklärt, Fehlannahmen weit verbreitet: Sind Offene Werkstätten an eine Berufsgenossenschaft gebunden? Welche Regeln gelten überhaupt und für wen? Genau hier setzt das Seminar an. Ziel war es, Klarheit in ein oft undurchsichtiges Thema zu bringen, Fragen zu stellen, die sonst unbeantwortet bleiben, und sich mit anderen Werkstätten offen auszutauschen. Denn oft hilft es schlicht zu wissen: Andere kämpfen mit denselben Unsicherheiten. 

Grundlage für das Seminar war das Unfall-Verhinderungs-Verzeichnis, dass ihr euch hier runterladen oder bestellen könnt.

 

Freitagabend: Ankommen und Kennenlernen

 

Wer am Freitagabend schon anreiste, wurde mit einer Führung durch den Supermarkt der Ideen belohnt. Dabei gab es nicht nur einen ersten Eindruck von der Werkstatt, sondern auch Einblicke in deren Geschichte, Finanzierungsmodell und die drei großen F: Freiwillige, Förderungen und Finanzen. Schnell entstanden lebhafte Gespräche über eigene Projekte und Erfahrungen, von Erasmus Plus über Kinderkurse bis hin zu Fahrrad-Verkehrssensoren. Ein gelungener Start ohne offizielles Programm, aber mit viel Substanz.

 

 

Samstag: Recht, Risiken und eine Safari

 

Der erste offizielle Seminartag begann mit einer Einführung in die rechtlichen Grundlagen der Arbeitssicherheit, speziell für Offene Werkstätten. Das klingt trocken, war es aber nicht wirklich, denn die Diskussionen wurden schnell konkret und persönlich. Viele Teilnehmende brachten eigene Erfahrungen ein und so entwickelte sich aus dem Vortrag ein echter Austausch.

Das Mittagessen war das erste Highlight des Tages: Boris vom Supermarkt der Ideen verpflegte alle Teilnehmenden mit selbstgemachtem Roten Thai Curry und Chop Suey!

Das zweite und vielleicht größte Highlight war die Gefährdungssafari am Nachmittag. Vier Gruppen durchkämmten die Werkstatt systematisch nach Gefahrenquellen, aufgeteilt nach Themen wie mechanische Gefahren, Gefahrstoffe, elektrische Gefährdungen oder psychische Faktoren. Die anschließende Vorstellungsrunde war aufschlussreich: Was eine Gruppe als niedrig einstufte, bewertete eine andere ganz anders. Die Diskussionen darüber, wie man Gefahren einschätzt und vor allem wie man sie realistisch behebt, waren ehrlich und praxisnah.

Den Abend verbrachte die Gruppe gemeinsam beim Essen mit polnischen Spezialitäten. Gesprochen wurde über Lastenräder, Kreislaufwirtschaft, Recycling von Baustoffen, Staubsaugerklassen und Absauganlagen. Wer dachte, nach einem vollen Seminartag sei die Energie weg, wurde eines Besseren belehrt.

 

 

Sonntag: Brandschutz, Strom und mentale Gesundheit

 

Der zweite Tag startete mit dem Thema Brandschutz und Notfallorganisation, gefolgt von einem Abschnitt zu Sicherheit für Personen mit besonderen Bedürfnissen, z.B. Kinder und Menschen mit Behinderungen.

Nach der Mittagspause mit Pizza stand die zweite Gefährdungssafari auf dem Programm, diesmal mit dem Schwerpunkt Sicherheits- und Notfallorganisation. Die Gruppen prüften unter anderem:

  • ob Brandschutzordnung und Alarmplan vorhanden und aktuell sind,
  • ob Flucht- und Rettungswege frei und ordentlich beschildert sind,
  • ob Löscheinrichtungen und Erste-Hilfe-Ausrüstung griffbereit sind,
  • ob klar geregelt ist, wer im Notfall was tut.

Die Ergebnisse wurden wieder gemeinsam besprochen und bewertet.

Danach folgten noch das Elektro 1x1 und ein Abschnitt zu Leitern und Tritten. Letzteres war besonders greifbar: Gemeinsam wurde mit einem Online-Tool einer Berufsgenossenschaft bewertet, welche Leitern noch in Ordnung sind und welche sofort ausgemustert werden sollten. Das Ergebnis war bei manchen Leitern eindeutig.

 

 

Fazit

 

Die abschließende Feedbackrunde brachte es auf den Punkt: Die Teilnehmenden hatten viel gelernt, noch mehr diskutiert und gingen mit konkreten Aufgaben für die eigene Werkstatt nach Hause. Das Feedback war durchgehend positiv, die Inhalte wurden als wertvoll empfunden – und der Wunsch war deutlich: Mehr Offene Werkstätten sollten Zugang zu diesem oder ähnlichen Seminaren bekommen.

Genau das soll auch passieren: Bereits zwei Folgeveranstaltungen sind in Planung. Im Juli geht es weiter mit Maschinenkunde / How-to-Einweisung, im Oktober folgt das Sicherheits-Käpsele / Arbeitssicherheit Teil 2 und Gekommen um zu bleiben aka Organisationsentwicklung & Kommunikation. Wer also beim diesem Wochenende nicht dabei sein konnte, bekommt bald neue Gelegenheiten.

Als persönliches Fazit bleibt festzuhalten: Ich habe mehrere Seiten Notizen im Gepäck, eine lange To-do-Liste und das gute Gefühl, das Thema Sicherheit jetzt deutlich nüchterner und strukturierter angehen zu können als vorher. Die Atmosphäre war herzlich, die Inhalte hilfreich, und die Angst vor dem bürokratischen Dickicht ist ein gutes Stück kleiner geworden.